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NRC, αw und Schallabsorption: Akustische Kennwerte bei der Auswahl von Akustikpaneelen richtig verstehen

Ein Akustikpaneel ausschließlich nach seinem Design oder anhand eines einzelnen Wertes im technischen Datenblatt auszuwählen, gehört zu den häufigsten und zugleich kostspieligsten Fehlern in Architektur- und Innenarchitekturprojekten. Das Ergebnis ist oft dasselbe: ein optisch überzeugender Raum, der akustisch dennoch nicht funktioniert. NRC, αw, Schallabsorptionskoeffizient... Diese Kennwerte finden sich in nahezu jedem technischen Datenblatt, werden jedoch häufig falsch interpretiert. Wer versteht, was jeder dieser Werte misst – und ebenso wichtig, was er nicht misst –, kann Lösungen objektiv vergleichen und Materialien entsprechend der tatsächlich erforderlichen akustischen Leistung auswählen.

Der Schallabsorptionskoeffizient (α): Der Ausgangspunkt

Trifft eine Schallwelle auf ein Material, wird ein Teil der Schallenergie reflektiert und ein anderer Teil absorbiert. Der Schallabsorptionskoeffizient (α) beschreibt diese Absorptionsfähigkeit für eine bestimmte Frequenz auf einer Skala von 0 bis 1: 0 a 1:

  • α = 0 → Das Material reflektiert nahezu die gesamte Schallenergie (z. B. Beton oder Glas).
  • α = 1 → Das Material absorbiert nahezu die gesamte auftreffende Schallenergie.

Der entscheidende Punkt ist: Kein Material verhält sich über alle Frequenzen hinweg gleich. Ein Akustikpaneel kann mittlere und hohe Frequenzen (z. B. Sprache) sehr gut absorbieren und gleichzeitig bei tiefen Frequenzen nur eine geringe Wirkung erzielen.

Deshalb ist nicht ein einzelner Kennwert ausschlaggebend, sondern die Schallabsorptionskurve über die einzelnen Frequenzbänder,gemessen unter Laborbedingungen gemäß norma UNE-EN ISO 354.

Was bedeutet der NRC tatsächlich?

Der Noise Reduction Coefficient (NRC) ist der am weitesten verbreitete Kennwert in nordamerikanischen Märkten. Er wird als arithmetischer Mittelwert der Schallabsorptionskoeffizienten bei 250, 500, 1.000 und 2.000 Hz berechnet und auf den nächstgelegenen Wert von 0,05 gerundet.

Sein größter Vorteil liegt auf der Hand: Ein einzelner Kennwert ermöglicht einen schnellen Vergleich verschiedener Produkte.

Seine Einschränkung ist jedoch ebenso wichtig: Zwei Paneele mit demselben NRC können sich bei tiefen oder hohen Frequenzen völlig unterschiedlich verhalten, da der Mittelwert den tatsächlichen Frequenzverlauf verschleiert.

Ein NRC von 0,70 kann sowohl aus einer ausgewogenen Schallabsorption resultieren als auch aus einem Peak bei 2.000 Hz, der eine geringe Leistung bei 250 Hz ausgleicht.

Fazit: Der NRC eignet sich als erste Orientierung, sollte jedoch nicht das einzige Entscheidungskriterium bei der Produktauswahl sein.

αw: Die europäische Referenz mit höherer Aussagekraft

Der αw-Wert (bewerteter Schallabsorptionsgrad), definiert in der UNE-EN ISO 11654, geht einen Schritt weiter. Er wird durch den Abgleich einer Referenzkurve mit den Messwerten zwischen 250 und 4.000 Hz ermittelt, wobei Frequenzungleichgewichte berücksichtigt werden.

Darüber hinaus unterteilt die Norm Materialien in Schallabsorptionsklassen von A bis E:

Klasseαw
A0,90 – 1,00
B0,80 – 0,85
C0,60 – 0,75
D0,30 – 0,55
E0,15 – 0,25

Diese Klassifizierung ist die übliche Referenz in europäischen Ausschreibungen und Zertifizierungen und wird von Architekten sowie Akustikingenieuren in internationalen Projekten häufig gefordert.

Wird der αw-Wert zusätzlich mit einem Formindikator (L), (M) oder (H) angegeben, zeigt dies, dass das Material im Vergleich zur Referenzkurve bei tiefen, mittleren oder hohen Frequenzen eine überdurchschnittliche Absorptionsleistung erzielt – eine wertvolle Information je nach geplanter Nutzung des Raums.

Der gleiche Kennwert garantiert nicht das gleiche Ergebnis

Nur einen einzigen Kennwert zu vergleichen, ist der häufigste Fehler.

Die tatsächliche Leistung eines Akustikpaneels hängt außerdem von folgenden Faktoren ab:

  • Materialstärke und Materialdichte.
  • Luftspalt: Ein Abstand zwischen Paneel und Wand oder Decke verbessert die Schallabsorption im Tieffrequenzbereich deutlich.
  • Montagesystem: Direktverklebung, Unterkonstruktion, abgehängte Deckensegel oder vertikale Baffles erzielen unterschiedliche akustische Ergebnisse.
  • Behandelte Fläche und Verteilung im Raum: Die Position der Paneele ist genauso wichtig wie ihre Anzahl.
  • Raumgeometrie und Raumvolumen, die die angestrebte Nachhallzeit bestimmen.

Dasselbe Paneel kann allein durch eine andere Montageart von Absorptionsklasse D auf Klasse A wechseln.

Deshalb geben Laborprüfungen stets die Montagebedingung (Typ A, E-200 usw.) an. Diese Information sollte immer gemeinsam mit den akustischen Leistungswerten bewertet werden.

Mehr als nur ein Datenblatt: Akustische Kennwerte richtig interpretieren

Ein technisches Datenblatt liefert wichtige Informationen. Erst die richtige Interpretation macht jedoch den Unterschied zwischen einer dekorativen Lösung und einem professionellen raumakustischen Konzept.

Es geht nicht darum, den höchsten Kennwert auszuwählen, sondern drei zentrale Fragen zu beantworten:

  1. Welche Frequenzen dominieren den Geräuschpegel im Raum? Sprache in Büros und Restaurants, Musik in Mehrzweckräumen oder tieffrequente Geräusche aus technischen Anlagen.
  2. Welche Nachhallzeit wird entsprechend der Nutzung und dem Raumvolumen angestrebt?
  3. Welche Fläche und welche Montageart sind erforderlich, um mit dem gewählten Material das gewünschte akustische Ergebnis zu erzielen?

Raumakustik lässt sich nicht mit einem einzigen Kennwert lösen. Sie entsteht durch das Zusammenspiel verschiedener Parameter.

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Unsere technischen Datenblätter enthalten αw, Schallabsorptionsklasse und NRC sowie die jeweiligen Prüfbedingungen. Dadurch erhalten Architekten und Innenarchitekten klare, nachvollziehbare und vergleichbare Informationen, um für jedes Projekt die passende Lösung auszuwählen.

Denn ein Akustikpaneel sollte nicht ausschließlich nach seinem Erscheinungsbild ausgewählt werden.

Es sollte ebenso anhand nachgewiesener Leistungsdaten beurteilt werden – und danach, wie es die Raumakustik nachhaltig verbessert.

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